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10.05.2005: Kölner-Kurs - Sonderlauf für historische Motorroller, kleines Resumee
Unser Kumpel Martin von den Nördlinger Piloti Speciali hat sich für uns auf dem Rennen für klassische Motorroller am Nürburgring rumgetrieben und dabei die journalistische Recherche auf die Spitze getrieben: er ist das "Kölner Kurs" genannte Rennen gleich mitgefahren!

Diesen Ehrgeiz würde die Fuffi.de Reporterversicherung "grob fahrlässig" nennen und in keinem Fall die Witwenrente zahlen, aber hey, immer nur total vernünftig sein ist voll langweilig (siehe VW Touran). Aber lassen wir unseren buchstäblich "rasenden Reporter" selbst zu Wort kommen...

Nach den Bildern vom letzten Jahr war klar, du musst am Kölner-Kurs teilnehmen.

Kurz zur Veranstaltung: Der MSC-Porz veranstaltet schon seit ein paar Jahren am Nürburgring (F1 Strecke, nicht Nordschleife) Rennen für historische Motorräder. Das Ganze in verschiedenen Klassen, unterteilt nach Baujahren und Hubräumen.
Auf Anregung von Stefan Menke aus Köln durften erstmals 2004 auch Roller bis Baujahr 78 in einer Sonderklasse teilnehmen.
Mehr Infos: www.msc-porz.de bzw. www.classic-scooter-racing.com





Der passende Roller für die Veranstaltung war zum Glück schon da bzw. zum Aufbau geplant, nämlich eine SS90 mit unspektakulärem, aber edlem Tuning und optisch natürlich komplett original.
Fertig war er dann ca. 4 Wochen vor Rennbeginn, also blieb noch genügend Zeit das Ding zu TÜVen und auf Haltbarkeit zu testen.
Während mir also in den Tagen vor dem 30.April vor Langeweile die Decke auf den Kopf fiel, schraubten andere Teilnehmer bis 10 Sekunden vor Abfahrt und danach! Dramatik pur...
Samstag war Abnahme beim "sehr strengen" Renn-TÜV (Roller anschmeissen, Bremsen betätigen, das wars eigentlich schon) und Fahrerbesprechung, gehalten von "Mr. MSC-Porz" Hans Cramer. Jeder der dabei war, kann bestätigen: Der Mann rockt das Mic! Einer der Höhepunkte des Ganzen.


Den Abend verbrachten wir mit Grillen, Bier, Wein und Rollergesprächen. Spektakuläre Maschinen, die man mündlich auseinandernehmen konnte, waren genügend vorhanden.
Um nur ein Beispiel zu nennen: Christof Hahns "Sei Giorni" Replica. Wahnsinnsroller!
Gegen zwei legten wir uns in den Ducato, pünktlich um halb acht weckten uns unsere Fahrerlager-Nachbarn mit Testläufen ihrer Moto-Guzzis. So sollte jeder Tag beginnen!
10 Minuten später brach von allen Seiten ein Gewitter ein. Es wurden MV`s, Werks-GP-Suzukis, Horex, NSUs, Airmacchis, etc. im Stand auf Betriebstemperatur gebracht, unglaublich welche Schauer einem da über den Rücken gehen.
Durch die Lambretta und Scooter-Center Boxen war man in 10 Sekunden an der Start/Zielgeraden und konnte die Moppeds dann in Aktion begutachten. Trainingsläufe aller Art schon ab halb neun, da wird einem nicht eine Sekunde langweilig.
Los gings für uns um 10.50 Uhr, "Qualifiing". Also rein in den dicken Lederkombi, bei inzwischen sehr sommerlichen Temperaturen, und zum Vorstart.





Wunderschönes Bild: 75 Vespas, Lambrettas, Heinkels, etc. und die Fahrer in kompletten Rennoutfits. Mir wars da schon etwas flau im Magen, aber ging wohl den meisten Neulingen nicht anders.
Auf der Strecke wurde dann allgemein erst mal etwas verhalten gefahren, ab Runde zwei schon flotter. Nach drei/vier Runden wars leider scho rum, aber für nen kurzen Streckenüberblick und Adrenalinschocks durch Bremspunkt verpassen und so hats gereicht. Geil!
14.20 Rennbeginn: Das selbe Spiel wieder, bei inzwischen Hochsommer-Temeraturen in den gemütlich warmen Kombi und nach kurzem Warten raus auf die Strecke. Jetzt aber mit stehendem Start auf der Geraden. Ampel auf grün und los gings! 35 Roller (die zweite, langsamere Gruppe startete hinter uns mit etwas Zeitversetzung) schiessen aufs Omega zu, ich hab neben mir nur noch Gänge springen gehört, 240ccm Lambrettas pfeiften vorbei. Wegen Anfangsnervosität hab ich mich in den ersten Kurvenrangeleien rausgehalten, nicht zu Unrecht wies scheint: Erster Abflug einer Lambretta nach Kollision mit einer Vespa 180SS schon in der Anfangsphase. Dann war aber das Feld schon ein bisschen gesprengt und man hatte richtig schön Platz um die "ganze" Strecke kennenzulernen und mit ca. gleichschnellen Fahrern zu fighten. Alles lief sehr fair ab und langsamere machten schnelleren Platz, bzw. hatten auch die richtig schnellen Fahrer genügend Geduld, um mal ne Kurve für nen eher sichereren Überholvorgang zu "verschenken". Apropos schnelle Fahrer: Much Respect to Tom (Nr.33), so hab ich noch nie jemand Roller fahren gesehen. Sogar die sehr schnellen Kurven fährt der gute Mann auf seiner Super mit Maximalschräglage und dem ganzen Schienbein auf der Straße. Nachdem er mich kurz vor Schluß überrundet hatte, konnte ich die Fahrtechnik (natürlich von hinten und nur kurz) im Castrol-S und der Coca-Cola Kurve bewundern. Pervers!
Nach 7 bzw 8 Runden wurde leider abgewunken, ich hätte ewig weiter fahren können. Die Windschattenduelle auf den Geraden, den Berg runter mit Vollgas (und ner Maximal-Drehzahl in Geräuschfrequenzen bei der ich meinen Motor nicht mehr gehört hab), das Anbremsen in die Kehre, Kurvenfahren in ner Schräglage, die ich nie für möglich gehalten hätte und so weiter...
A Riesengaudi!

Mir fällt es ab und zu schwer komplett auszuflippen, aber die Teilnahme am Kölner-Kurs war wohl eins der besten Dinge, die ich jemals gemacht habe...
Super Wetter, Grill im Dauerbetrieb, nette Leute (sowohl die Rollerfraktion, als auch die Motoradfahrer), fette Rennaction, passiv und aktiv, und zu guter letzt ein perfekt laufender Roller: Ich hab das ganze Wochenende nicht einmal nen Schraubenschlüssel in der Hand gehabt.
Pfundig!

Text und Bilder: Martin Wagner/Gruppi Piloti Speciali

Nachwort Dr.Vespa: Ich vermisse nur eines: die erreichte Platzierung...:-). Sehr schön übrigens die Neuseelandflagge auf der SuperSprint! Good on ya mate!

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