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23.09.2003: Imola 2003 – mit dem Tretroller auf der Suche nach der Ideallinie
Diesmal sollte alles perfekt werden, daher war die Planung generalstabsmäßig. Ausgerüstet mit komplettem Werkzeugsatz, Arbeitshandschuhen, Funkgeräten, 5 Literkanister Gemisch, Spanngurten, außerdem Penntüten, schlechten Tapes, Lidl-Bier (Burgadler Premium – Bäh) und einer Menge guter Laune ging es am Freitag um 19:00 Uhr für Guzzi und mich los zum Teilemarkt nach Imola.

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Um ordentlich viel Schrott mitnehmen zu können, habe ich den Ducato meines Onkels ausgeliehen, der sonst als Fischtransporter dient – ab Innsbruck haben wir das nicht mehr so gerochen, dafür hat er ja auch nichts gekostet. Schröder, Ben und Peti (Honest Jim) waren noch am Roller-Kö und sind erst Samstag morgen um 04:00 Uhr mit Bens Golf nach Imola losgefahren – wir wollten uns direkt auf dem Markt treffen.

Die Fahrt im Transporter war eigentlich ereignislos – ab Mittenwald geht Radio FM4 (bester Sender im bayrisch-österreichischen Sprachraum) rein und so wurden wir dank der Sendung „Narkolepsie“ Ohrenzeugen der Suche nach dem faulsten, talentfreiesten und lethargischsten Österreicher, Testfrage: “was fällt dir zu deiner Morgenerektion ein?“ – sehr nett, der Gewinner wird erst in zwei Wochen prämiert, weil das nächste Woche zu schnell wäre und die Narkoleptiker zu sehr aufregen würde. Danach ab der Brenner-Mautstation bis Italien Vorstellung des weltbesten Dj´s Österreichs. Ab Sterzing war der Empfang von FM4 dann dahin – ab dort Tapes bis Imola, unterbrochen von ein paar schnellen Espressi hinter Trient.

In Imola haben wir gegen 02:00 Uhr einen guten Parkplatz hinter der Haupttribüne gefunden und uns nach einem Gute-Nacht-Bier unter einem phantastischen Sternenhimmel an den Ducato gekuschelt. An Schlaf war aber zunächst nicht zu denken, weil eine Horde stark alkoholisierter Österreicher unbedingt Fahrradfußball spielen müßten – das Ganze mit Fahrrädern ohne Licht und statt einem Ball mit einem Biertragl – die haben das Ganze wohl mit Rachau verwechselt. An unsere österreichischen Forenmitglieder – fühlt´s euch nicht angesprochen, Idioten gibt´s auf der ganzen Welt, auch bei uns und in Italien. Und Finger weg von Drogen!
Durch den Sonnenaufgang geweckt, habe ich ein paar Bilder von der Tribüne herunter geschossen, ich hoffe, es kommt einiges von der einzigartigen Stimmung rüber.

Zum Markt: wir sind um ca. 08:00 Uhr auf das Autodromo Dino e Enzo Ferrari gestürmt und selbst damit waren wir scheinbar zu spät dran – als wir die ersten brauchbaren V50 gefunden hatten und noch am debattieren waren, drängte sich schon die Mannschaft von Rollerladen vor, zahlte „bar auf Motorhaube“ und der ganze Troß rauschte weiter zum nächsten Händler. Als sich der Staub gelegt hatte, haben wir doch etwas dumm aus der Wäsche geschaut. Nach der ersten Umrundung des Marktes war klar, daß das Angebot an Fuffis relativ bescheiden war und der Zustand der angebotenen V50 war durchschnittlich Kernschrott. Ich habe selten soviel veschimmelte Trittbretter gesehen, für die noch soviel Geld verlangt wurde. Ganz beliebt scheint zu sein, völlig zerfressene Karren mit Wandfarbe anzupinseln und das ganze als Orginallack verscherbeln zu wollen. Zu dem Zeitpunkt schwankte ich zwischen rituellem Selbstmord und Amoklauf, aber der immer gelassene Guzzi hat dann doch noch was entdeckt – eine weiße Special, bei der wir unser angeborenes Feilschertalent voll zum Tragen bringen konnten. Nach zwei erfolglosen Schiebeversuchen (war eh kein Sprit drin), der hilflosen Beteuerung des Händlers, daß die Karre vor 6 Monaten doch noch einwandfrei gelaufen wäre, und meiner schlüssigen Argumentation „no luce, no ignizione, motori non va....morte!“ näherten wir uns endlich einem akzeptablen Preis. Von dem, was der Händler als seinen ultimo prezzo nannte, zogen wir noch 30 Euro ab (Frechheit siegt) und drückten ihm diese Summe einfach bar in die Hand – er hat aber sicher noch genug dran verdient. Stolz wie zwei türkische Autoverchecker haben wir dann schnell unseren ersten Roller in Sicherheit gebracht. Inzwischen waren auch unsere Freunde aus Lana auf dem Markt eingetroffen und wir konnten uns vor Start und Ziel zu einem ersten koordinierenden Meeting treffen – und zum Aufstocken unserer Aqua Minerale Vorräte aus Südtiroler Beständen. Auf der zweiten Tour wurden wir nochmals fündig und nach sehr langwierigen Verhandlungen und einer gemeinsamen Runde Wein sind wir uns noch über eine V50R handelseinig geworden. Dann wars auch schon spät und wir mußten weg.





Insgesamt ist das Angebot in Imola aber nach wie vor gut, wenn auch die Preise inzwischen atemberaubend sind. Das Vespaangebot war dieses Jahr viel schlechter als die Jahre zuvor, Lambrettas gab es relativ viele – auch in ordentlichem Zustand, allerdings noch teurer. Wobei man noch ein Schnäppchen machen kann, sind Ciao-Mopeds, wie Schröders Erwerbung beweist: Ciao PX Bj.86, komplett, nicht vergammelt, Licht geht, Motor springt an und die Möhre geht wie Hulle. Für das Geld, das Schröder dafür angelegt hat, bekommt man hier nicht mal ein Fahrrad bei Tchibo. Desweiteren haben wir eine wunderschöne, orginale Moto Guzzi LeMans II entdeckt (siehe Bilder). Als neuer Trend des Jahres scheinen sich alte Enduros und Trailmaschinen wie Bultaco, Montesa etc. zu entwickeln, selten gab es soviele und auch gute Exemplare in Imola zu sehen wie diesmal.

Gegen 16:00 Uhr haben wir dann alle völlig gestrahlt den Markt verlassen, den Ducato vollgeladen und uns nach einem letzten gemeinsamen Espresso auf den Weg nach Lana gemacht. Dort gab es dann nach Bergen von Oscars (Hofstetterhof) Hirtenmakkaroni noch einen Zwischenfall. Bei Bens Golf fiel die Beifahrerscheibe scheppernd in die Türe, nachdem irgendwelche Plastikzapfen abgebrochen waren. Das Problem konnte aber am nächsten Tag dank Armins Autoknackertalent mit einer Menge Klebeband elegant gelöst werden.

Auf der Rückfahrt nach Augsburg wurden Guzzi und ich noch von einer österreichischen Zivilstreife gefilzt – wobei ich sagen muß, daß ich noch nie in einer so lustigen Kontrolle hing. Gefunden wurde natürlich nix und auch Führerscheine und Fahrzeugpapiere waren ok. Das Wochenende klang dann mit Bruschetta, Grappa und Zabaione bei unserem Steppacher Stamm-Italiener aus – der Steppacher VW-Dealer reparierte in der Zwischenzeit Bens Golf auf Garantie. Und nächstes Jahr fahren wir wieder nach Imola, auch wenns dann noch teurer sein wird – weil wir einfach nichts dazu lernen...salute!

Il dottore

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