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03.07.2002: Scoot Down Under
(...oder: Wir brauchen Cosa-Rücklichter!)
Einige von euch haben es sicher mitbekommen: der „Doc“ war eine Weile verschwunden. Nach insgesamt 2,5 Jahren ohne „Wegfahren“ und Salzwasser habe ich etwa 5 Wochen Urlaub in Neuseeland gemacht und bin jetzt (noch) ziemlich entspannt. Ich habe aber auch dort nicht die Finger von den Rollern lassen können.

Tja, man sollte es nicht glauben, aber selbst am Arsch des Arsches der Welt hat sich die Vespa breitgemacht – wobei „breitgemacht“ so auch wieder nicht stimmt. Die Szene in Neuseeland ist sehr klein und die Roller sind im Verkehr auch nicht so häufig zu sehen wie bei uns. In Christchurch habe ich gar keinen klassischen Roller gesehen und in Wellington doch immerhin eine 200er PX und eine 200 Rally. Besser sieht die Situation in Auckland aus, dort hat sich ein kleiner aber elitärer Kreis im Dunst des dortigen Piaggio-Importeurs Götz Neugebauer gebildet. Ich kann mich leider nicht mehr an alles so genau erinnern (hätte doch mitschreiben und nicht nur cool rumstehen sollen...), daher sind die Background-Infos zu Götz ohne Gewähr: er ist 32-34 Jahre alt, vor etwa 5 Jahren mit Frau Annette und 7 Cosas nach NZ ausgewandert und war wohl früher in Aachen schwer in der Szene aktiv – hab aber vergessen, bei welchen Club. Inzwischen ist er möglicherweise der Vorsitzende des neuseeländischen Vespaclubs und erhält dort auch die Ersatzteilversorgung für die Blechroller aufrecht. Doch mühsam ist sein Tagwerk...!

Nach einem ersten Kontakt per Email hat Götz uns eingeladen, ihn und seinen Laden „Scooter é Motion“ in Auckland zu besuchen. Irgendwie war das gleich wie ein Stück Heimat in der Ferne, vorm Laden Cosageschnetzeltes mit Kabelsalat der Saison an Px-Frontalcrash. Naja, dachte ich, sieht ja aus wie bei mir in der Schrottonne. Im Gegensatz zum Schlachtfest auf dem Trottoir präsentiert sich aber „Scooter é Motion“ mit freundlichen, hellen Räumlichkeiten voll neuer Roller und einem Götz, der in Gedanken an die lokale Konkurrenz mit einem fetten Grinsen hinterm Tresen steht. Die Geschäfte scheinen gut zu gehen, allein während unserer Anwesenheit hat Götz zwei Roller verkauft und unter anderem decken sich die Teilnehmer des „Volvo Ocean Race“ (Segelrennen um die Welt) bei ihm mit standesgemäßen Scootern für den Landgang in Auckland ein. Nach der üblichen Begrüßungszigarette und dem Wer-hat-mehr-und-ältere-Roller-Contest (hab natürlich verloren) gings dann weiter mit der Werksbesichtigung und so haben wir auch den sympathischen Hilfswilligen Arne aus dem Schwäbischen kennengelernt, der versucht, sich als Mechaniker in der „Scooter é Motion“ Werkstatt seinen Neuseelandurlaub zu verdienen. Dafür muß er sich mit lauter „zusammengestrickten Frikkelbuden“ abgeben, denn alles, was älter ist als eine PX, ist in NZ meistens aus zwei bis vier Schlachtroller zusammengepfuscht – wie gesagt, die Ersatzteilversorgung ist nicht sonderlich gut. Die Locals sehen das aber auch nicht so eng...
Andererseits haben wir später noch einen einheimischen V90SS Fahrer kennengelernt – es gibt also auch in NZ einige Schmuckstücke, bei denen einem der Sabber runtertropft. Vielleicht habe ich ein bißchen zuviel getropft, der Typ hat schnell sein Bier ausgetrunken und dann mit den Bemerkung, er würde nicht verkaufen, sein Heil in der Flucht gesucht. Ich hatte aber noch gar nicht gefragt...es war aber auch so noch ein netter Abend mit viel NZ-Bier, Green Mussels und den üblichen Tuningstories, bei deren x-ter Wiederholung die Frauen genervt die Augen verdrehen. An dieser Stelle noch mal vielen Dank für die Gastfreundschaft, die netten nicht-nur-Benzingespräche und die 1a Green Mussels!!!

Für Rollerfahrer, die es nach Neuseeland verschlägt, bietet Götz einen besonderen Service. Wer den Entzug nicht aushält, kann sich bei Götz einen Roller zulegen (z.B. ET4 oder LML150 Membran), damit NZ erkunden und am Ende des Urlaubs das Fahrzeug (oder was davon übrig ist) für einen natürlich geringeren Betrag an Götz zurück verkaufen. Das ist in NZ eine allgemein gängige Praxis, nennt sich „Buy-Back Guarantee“ und ist in jedem Fall billiger als sich eine Karre zu mieten. Die Roller sind technisch einwandfrei und haben auch immer eine gültige Warranty of Fitness (WOF – der NZ-TÜV). Auch wenn ihr nur einen Tag Auckland unsicher machen wollt, bietet sich ein Roller an, denn Auckland hat wie jede Millionenstadt ein Parkplatz- und Stauproblem. Götz bietet hier für den Sooteristen ebenso Hilfe, wie mit der Tourenplanung, der Empfehlung, wo sich gute Backpacker Unterkünfte finden oder wo man günstig zum Essen gehen kann. Aber rennt ihm jetzt nicht wegen jedem Scheiß die Bude ein („he Götz, uns ist der Zucker ausgegangen...“) der Mann muß auch was arbeiten...*grins*. Wer also den Weg um die halbe Welt machen will und Tipps braucht oder einen Kontakt zu Götz, kann mir mailen, dann gibt´s genauere Infos.

Dann muß ich noch mal auf die Cosas zurückkommen: wenn ihr auf euren Halden Cosa-Rücklichtgläser rumliegen habt, die ok sind und die ihr nicht mehr braucht, schickt bitte eine mail an mich. In NZ gibt’s die Teile nicht mehr und ich möchte versuchen, ein paar gebrauchte Rücklichtgläser für verzweifelte Scooteristen runter zu schicken – wäre nett, wenn ihr das unterstützen würdet...Spenden mal anders: „Aktion Rücklichter für Auckland“ – Quittung für die Steuer kann ich aber keine ausstellen...;-)))

Noch ein paar allgemeine Sachen zu NZ:

Neuseeland (Aotearoa): Von den weißen Eingeborenen „Godzone“ genannt, von den Maori „Land der langen weißen Wolke“– ist beides nicht so falsch! Die Maoris, die mit den „Weißen“ wohl inzwischen gut auskommen, nennen die Weißen wohlwollend besorgt „Pakeha“, was sich ganz gut mit „Käsestange, die planlos und ohne tieferes Verstehen durch die Weltgeschichte stolpert“ übersetzen läßt.
Zwei etwa 1000 und 800Km lange Inseln auf der Südhalbkugel, 2500km von Australien entfernt und eher Richtung Antarktischer Kontinent gelegen, Fläche etwa wie unsere BRD, aber nur 3,5 Millionen Einwohner. Die haben alle unglaublich viel Platz und sind deshalb sehr entspannt. Dafür gibt’s 50 Millionen Schafe und etwa 70 Millionen Possums – das ist ein austr. Beutelmarder – eine Landplage – darf ungestraft und ohne betroffene Aufschreie von Umweltschützern vergiftet, überfahren, erschossen oder sonst wie ins Jenseits befördert werden. Wir haben versucht einen zu überfahren, das ist uns aber nicht gelungen. Andere hatten da wohl mehr Glück – wir haben 146 überfahrene Possums auf unserem Trip gezählt.
Hauptstadt ist Wellington auf der Nordinsel mit etwa 350000 Einwohnern, größte Stadt ist aber Auckland mit über einer Million. Das Klima ist gemäßigt, im Norden eher subtropisch, allgemein kann man aber sagen, daß man von November bis April mit exakt drei Kleidungsstücken auskommt: Surf-Tshirt, Surfshort und Badeschlappen. Nationales Wappentier ist der Kiwi (flugunfähiger Vogel), Nationalfrucht ist der Kiwi (grünbraunes Ei mit Drei-Tage-Bart) und der Neuseeländer bezeichnet sich selber ebenfalls als „Kiwi“ (in der Regel auch flugunfähig mit Drei-Tage-Bart).
Das Land bietet jede Menge Natur: von über 3000 Meter hohen Bergen, vulkanologisch aktiven Gegenden, riesigen Urwäldern, bis zu traumhaften Stränden. Das Meer ist allerdings nicht tropisch warm, im Hochsommer höchstens 24 Grad und sonst eher nur 16 Grad. Damit´s nicht langweilig wird, hat sich der Neuseeländer viele abgefahrene Dinge einfallen lassen, was man so in der Natur alles anstellen kann. Die eher bekannten Sachen sind Bungy-Springen und Jetboat fahren, was man alle 10km machen kann. Sehr im Kommen sind momentan „Schwimmen-mit-Delphinen“, „Shark-Diving“, „Quad-Adventures“ (4Rad Allrad Bikes) oder auch „Possum-Hunt“, dicht gefolgt von den Dauerklassikern „Mountainbike-Downhill“ und ganz simpel „Reiten“. Eher neu ist „Zorbing“: man wird in einer sehr großen, transparenten Gummikugel festgeschnallt, dann lassen einen die Jungs einfach einen Berg runterrollen...harhar. Ich weiß nicht, wer mehr Spaß hat, die Neuseeländer oder die Japaner, die sich in den Zorbs die Seele rauskotzen.

(Bilder folgen noch)

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