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03.07.2002: In den Hallen des Ruhms
Grade mal 75 km von Bozen entfernt liegt die Stadt Rovereto, die dem gewöhnlichen Gardasee-Touristen lediglich als Durchfahrtsort zweimal auf den Autobahnschildern auffällt. Die kleine Stadt südlich von Trient bietet aber mehr als nur eine Durchfahrtsstraße. Besucher des kleinen historischen Stadtzentrums werden vom italienischen Flair der gepflasterten Straßen und eng beisammen stehenden Häusern verzaubert sein. Inmitten dieses winzigen Zentrums liegt die grade mal hundert Quadratmeter große Piazza Sant’Oswaldo und die Hausnummer 1 gehört dem Registro Storico Vespa.

Am 14. Juni 2002 sollte meine erster Besuch bei Signor Frisinghelli, dem „Hüter“ des Registro Storico sein; ein Tag an dem sich der Sommer mal so richtig von seiner Schokoladenseite zeigen wollte.

Um halb drei nachmittags traf ich in Rovereto ein. Das Thermometer stieg bis auf 37° im Schatten und ließ die Bewohner in ihren Häusern auf den etwas kühleren Abend warten. Das Zentrum war menschenleer und eine drückende Schwüle ließ auf ein Gewitter am Abend schließen. Es kam mir vor wie in Tombstone am OK Corral.
Auf der winzigen „Piazza“ vor dem Piaggio-Laden von Sign. Frisinghelli stellte ich meinen Wagen ab und erblickte sogleich den etwas weiter oben gelegenen Eingang zu den „Heiligen Hallen“ des Registro Storico. Der Blick in den Laden war allerdings eher ernüchternd als aufbauend und ließ die Hoffnung hier eine Sitzbank für meine 180er SS aufzutreiben schwinden. Doch wo ich nun schon mal hier war, wollte ich mein Glück auch versuchen und trat ein. Der kleine Laden war mit allen möglichen Piaggio-Neufahrzeugen vollgestopft und als ich schon beinahe wieder zur Tür hinaus wollte, sprach mich eine Frau hinter einer Glasscheibe an. Auf meine Frage, ob sie hier auch Teile für Vespa-Oldies hätten erschien aus einer Hintertür ein älterer Herr in einem schmutzigen Overall. Er erkundigte sich nach meinen Wünschen und als ich ihm die alte Sitzbank zeigte, ging er in sein Magazin und brachte mir eine neue. Daraufhin fragte ich ihn, ob er denn nun DIESER Signor Frisinghelli sei, also der Presidente del Registro Storico. Ein Lächeln zog sich über sein Gesicht und er winkte mich hinterher. Wir verließen den Piaggio-Shop und gingen in die Halle des „Registro Storico Vespa“.




Wer hier eine riesige Halle randvoll gefüllt mit alten Vespa’s erwartet wird bitter enttäuscht. Der etwa dreißig Quadratmeter große Raum wirkt mit seinen vielen Vespa-Postern und Fahnen nur noch halb so groß. Darin befinden sich neben den genannten Plakaten, Wimpeln, Fahnen und Prospekten nur zwei Fahrzeuge: eine rote Renn-Vespa (wahrscheinlich aus den 50ern) und eine „Allstate“ Export-Vespa aus den Staaten.
Signor Frisinghelli stellte sich aber als richtiger Signore heraus. Freundlich zeigte er mir die zwei Fahrzeuge und gab mir einige Prospekte und Einschreibebögen für das Registro mit. Er gab mir auch seine Privatnummer, falls ich noch irgendwelche Fragen oder Probleme mit Farbnummern usw. hätte: „Chiamami dalle 22 alle 23 – ogni sera.“ also: „Du kannst mich jeden Abend zwischen 22 und 23 Uhr anrufen.“

Fazit: dass er die nicht ganz billige Sitzbank auf Lager hatte war zwar eher ein Glücksfall und ich glaube nicht, dass sein kleines Magazin mit führenden Online-Shops mithalten kann. Auch glaube ich nicht, dass er viele alte Teile zum Verkauf hat. Trotzdem ist er ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Mensch und wenn man grade auf der Durchfahrt ist, kann man ruhig mal bei ihm vorbeischauen und „Buon Giorno“ sagen. Ob ich mich für 60 Euro beim Registro Storico anmelden werde, muß ich mir noch überlegen; wahrscheinlich wird’ ich’s tun, sobald die SS fertig ist.

Charly

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