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01.09.1999: Vespa soll zu US-Fonds rollen
Der Hersteller der legendären Motorroller-Marke Vespa, die italienische Firma Piaggio, soll nach Presseberichten von einem US-Investmentfonds aufgekauft werden. Wie die Tageszeitung Coriere della Sera berichtet, will die Texas Pacific Group (TPG) 616 Mio. € für das Traditionsunternehmen auslegen. Die Piaggio-Führung soll sich für das Angebot ausgesprochen haben, um die Entwicklung der Firma nach dem Tod der beiden Hauptaktionäre Giovanni Alberto Agnelli und seiner Mutter Antonelle Bechi Piaggio zu fördern. Auch die anderen Großaktionäre hätten bereits zugestimmt. Piaggio erzielte im Vorjahr einen Umsatz von 950 Mio. € und fuhr wieder schwarze Zahlen ein. Der TPG gehört in Italien bereits der Motorradhersteller Ducati.

Rom (mit) - Das weltbekannte Moped Vespa gerät in amerikanische Hände. Das Motorrollerunternehmen Piaggio unter der Kontrolle der Autogruppe Fiat soll für 1200 Mrd. Lire (620 Mio. Euro) an den amerikanischen Investmentfonds Texas Pacific Group (TPG) veräußert werden, der in Italien bereits die Kultmotorräder Ducati besitzt.

Seit 1946 produziert Piaggio rund 15 Millionen Vespa-Roller, insgesamt kamen 90 verschiedene Versionen des flotten Flitzers auf den Markt. Die Familie Agnelli plant, eine kleine Beteiligung an Piaggio zu behalten und die strategischen Entwicklungspläne des Unternehmens weiterhin mitzugestalten. Die Unternehmerfamilie hat sich erst nach langen Erwägungen zum Verkauf des erfolgreichen Konzerns mit Sitz in der toskanischen Kleinstadt Pontedera bei Pisa entschlossen. Der Tod der beiden Hauptaktionäre des Unternehmens, der 33-jährigen Präsidenten Giovanni Alberto Agnelli im Dezember 1997 und dessen Mutter Antonella Bechi Piaggio im vergangenen April, haben die Suche nach neuen Partnern mit frischem Kapital besonders dringend werden lassen.

Für den Investmentfonds TPG, der unter der Kontrolle des Finanzlers David Bonderman steht, wäre der Neuerwerb jedenfalls ein Erfolg. Mit Ducati und Piaggio könnte das Unternehmen das gesamte Spektrum vom kleinen Roller bis zum Edelmotorrad anbieten.

Auch ist Piaggio mit 6000 Beschäftigten und einem Marktanteil von 32 Prozent Europas größter Hersteller von kleinen Zweirädern. Nachdem Piaggio 1996 in die roten Zahlen gerutscht war, sorgte ein Umstrukturierungsprogramm 1998 wieder für einen Gewinn von zehn Milliarden Lire. Ende 1998 meldete der Kleinradhersteller einen Umsatz von 1850 Milliarden Lire bzw. den Verkauf von einer halben Million Scootern in Europa.

TPG hofft nun, die Gewinne des Unternehmens weiter steigern zu können. Der amerikanische Investmentfonds kann dabei auf seine Erfahrung mit Ducati zurückgreifen. TPG hatte die Gesellschaft aus Bologna im Jahre 1996 kurz vor dem Bankrott übernommen und saniert. Mittlerweile ist Ducati an der Wallstreet notiert. Der einkaufsfreudige Investmentfonds hatte schon im Mai wegen seines Projekts, das Modehaus Fendi zu übernehmen, von sich reden gemacht. Kontakte mit der römischen Maison sind angeblich immer noch im Gang.

Quelle: "Dolomiten", Tageszeitung in Südtirol, vom 19.08.99, übermittelt von unserem Auslandsspion Charly aus Meran - thanx

verfasst von: Michael Rother

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